Danke, Frank Ocean.

gepostet in Frontpage, NEWS | 4 Juli 2012, 10:41 Uhr | 8 Comments

Frank Ocean. Der Sänger aus New Orleans, der uns mit »Nostalgia, Ultra« eines der besten Soul-Werke der letzten Jahre geschenkt hat, das »Watch The Throne«-Album mit wunderbaren Hooks veredelte, auf Bühnen den stilsichersten Steve McQueen-Swag auffährt, die Odd Future-Bagage elegant aufwertete und ohnehin eine der coolsten Säue des Planeten ist, veröffentlichte auf seinem Tumblr einen offen Brief an die Welt. Genauer gesagt den Screenshot eines Text-Files, ursprünglich als Liner Note der »Thank You«-Liste seines kommenden »Channel Orange« Albums gedacht.

Vor einigen Tagen fühlten sich einige Blogger und Magazine nach den Pre-Listenings zu »Channel Orange« dazu genötigt, Auszüge der Textzeilen genauer zu beleuchten, um möglichst schnell reißerische Posts über Franks vermeintliche sexuelle Ausrichtung zu verfassen. Wie es bei Blogposts und Tweets üblich ist, vermehrten sich diese in Windeseile und die emotionalisierte Berichterstattung nahm ihren peinlichen Lauf. Um die Gerüchte aus der Welt zu schaffen, also nun der befreiende Tumblr-Post mit Lil B Ankündigung. Heldenhaft offene und schwer verwundbare Zeilen über die nicht erwiderte Liebe zu einem Mann. Frank Ocean ist schwul, oder halt bisexuell.

»Kann sein, wenn schon« müsste hier die eigentliche Reaktion sein. Wen kümmert es? Leider dann doch recht viele. Denn angesichts der Tatsache, dass es sich bei Frank Ocean um jemanden handelt, der mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in den nächsten Jahren zu einem der größten Weltstarts heranreift, die aktuelle Coldplay-Tour als Support-Act begleitet, von Jay-Z über Kanye West und Erykah Badu in den höchsten Tönen gelobt wird, als Mitglied der angesagtesten und meist-gebiteten Rap-Crew den aktuellen HipHop-Sound prägt – sprich, der erste erfolgreiche und überaus relevante Vertreter der HipHop- und R’n'B-Szene ist, der sich outet, ja, dann ist das schon eine ziemlich dicke Sache und beinahe so etwas wie ein Paradigmenwechsel.

Eine Last von kaum vorstellbaren Ausmaßen muss da von seinen Schultern gefallen sein. Dieser Brief dürfte eine neue Zeitrechnung in unserer liebsten Jugendkultur einläuten. Es ist vollbracht. Was Barack Obama jüngst als erster amerikanischer Präsident mit seinem Support für die gleichgeschlechtliche Ehe getan hat, führt Frank Ocean als erster Delegierter der HipHop-Generation weiter. Danke, Frank Ocean.

(nn)

Odd Future-Kamerad Tyler hat folgendes zu sagen.

Und der Über-Rapper Earl dieses:

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Comments

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8 comments on “Danke, Frank Ocean.

  1. Testspiel.de on said:

    Danke für den Artikel. Einen besseren habe ich noch nicht zum Thema gelesen. Es ist tatsächlich vollbracht.

  2. Testspiel.de on said:

    Tyler hat sich inzwischen auch deutlicher geäußert:

    “My Big Brother Finally Fucking Did That. Proud Of That Nigga Cause I Know That Shit Is Difficult Or Whatever. Anyway. I’m A Toilet.”

    https://twitter.com/fucktyler/status/220409501487079424

  3. Pingback: I don’t have any secrets I need kept anymore | Morgen wird gestern

  4. TimKnopf on said:

    Mir fehlten die Worte, so geschichtsträchtig hat es sich angefühlt als ich den Brief las. von der Freude für den Mann selbst ganz zu schweigen. Deshalb danke für diese passendsten Worte, weil auch differenziertesten Worte dazu!! Vielleicht ist es irgendwann mal so weit, dass niemand mehr auch nur ein Wort über die Sexualität verliert, weil alles normal geworden ist; vielleicht wenn sich auch noch Too Short und ODB (posthum) von ihrer Last befreien ;) und auch die Bundesliga Teil der freien Gesellschaft geworden ist. Vielleicht dann….

  5. Love on said:

    Ich finde es unnötig allen seine sexuelle Ausrichtung mit 2 (oder mehr) Album-Tracks unter die Nase zu reiben indem man den Glauben Anderer indirekt angreift. Bitchmove.
    Sorry Frank, channel Orange wird nicht gekauft und du wirst aus der Lister meiner Lieblingssänger gestrichen.

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