Happy Birthday, Eminem 2
gepostet in FEATURES | 17 Oktober 2012, 12:59 Uhr | Leave a Comment
Das war durchaus einmal anders. 2003, zu Hochzeiten des »8 Mile«- und Fifty-Hypes, brachte Eminem die ganze Familie von Whoo Kid bis Obie in den Hamburger Volkspark. Er selbst hatte da schon seine zwei, drei Lektionen über die Musikverwertungsmaschinerie gelernt und pflegte solche Gastspiele mit kühler Routine runterzurattern, zumal im allenfalls lukrativen, ansonsten aber reichlich bedeutungslosen Europa. Deutschland jedoch drehte am Rad. Die Branchen-VIPs balgten sich aufgeregt um Karten, und das Volk – vollzählig erschienen vom PE- und Tribe-sozialisierten Berufsnostalgiker bis hin zu einer komplett neuen Generation an von MTV auf den Film geschickten und mit Fake-Bling behangenen Rap-Fans – drängte schon zur Vorgruppe in die vorderen Reihen wie einst bei den Beatles oder den, erm, Beginnern. Der Meister selbst schließlich versteckte sich leicht erkältet hinter Halbvollplayback – und riss doch die größte Show auf Gottes Erden runter. Larger than life? Zumindest larger than alles, was bis dahin unter HipHop in Deutschland denkbar war. Eminem war aufregend, als eigentlich schon nichts mehr aufregend war. Was bitte war da eigentlich passiert?
Auf Demo-Basis ohne nennenswerte Indie-Vergangenheit gesignt, ist Eminems frühes Schaffen vergleichsweise schlecht dokumentiert. Wie genau das alles war mit dem »Hip Hop Shop«, den Battles und dem kunstvoll verschwiegenen Albumdebüt »Infinite«, hängt deswegen ganz davon ab, wen man fragt: die Bass-Brüder Jeff und Mark, die »Infinite« 1996 in Kleinstauflage auf ihrem Label Web Entertainment veröffentlichten und Em bis heute bei seinen Eigenproduktionen zur Hand gehen; andere lokale Großwesire wie die Insane Clown Posse, die ihrem Aushängeschild in inbrünstiger Abneigung verbunden sind; oder eben die Vertreter der Aftermath/Interscope-Maschinerie, die erst dank Eminem zur Aftermath/Interscope-Maschinerie wurde, und später dann zur Shady/G Unit/Aftermath/Interscope/Universal Music Group/Vivendi-Maschinerie.
Gemein ist allen Darstellungen die Idee vom Rap als Ausweg aus der Tristesse der Trailerparks. Nicht als strategische (und anschließend auf fünf Alben plus Mixtapes abgefeierte) Erweiterung des Kleinunternehmens von der Straßenecke. Sondern vielmehr als ideeller Zufluchtort, als romantisches Refugium in einer kalten Welt aus Schulschwänzen, billigem Fusel und Identitätskrisen. Und natürlich als beste aller Möglichkeiten, zumindest ein paar Minuten Ruhm auf der Bühne eines High-School-Talentwettbewerbs abzugreifen. Wenn man so will, ist das klassischer Sportdramastoff: Der bleiche, schmächtige, linkische Außenseiter, der mit dem entscheidenden Anpfiff seine Ängste abstreift wie einen lose geknöpften Aufwärmanzug und die Spötter und Zweifler einfach mundtot macht, mit seinem Können und seinem Willen und der kanalisierten Wut des ewig vom Leben Gefickten alleine. Eine Geschichte, die bekanntlich nicht nur der Amerikaner liebt, und die sich zur Not auch zwei, drei mal erzählen lässt – insbesondere, so lange Platin schon am Veröffentlichungstag zusammengescannt wird. Bis heute sind von den ersten vier Eminem-Alben weltweit rund 60 Millionen Exemplare umgesetzt worden, die für Rap-Verhältnisse ebenfalls schwer verkaufsträchtigen Singles, Soundtracks, Raubkopien und die dreihundert Einheiten des 2006er-Labelsamplers »Eminem pres. The Re-Up« nicht mitgerechnet.
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Eminem-The Real Slim Shady von lachula
Text: Davide Bortot






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