Happy Birthday, Eminem
gepostet in FEATURES, Frontpage, JUICE #119 06/2009, Kings Of HipHop | 17 Oktober 2012, 13:26 Uhr | Leave a Comment
Eminem ist heute 40 Jahre alt geworden. Um dies gebührend zu feiern, haben wir den Kings Of HipHop Artikel aus der JUICE Issue #119 online gestellt. Happy Birthday.
Von der 8 Mile bis zur Skyline. Von den »Purple Pills« zur Schlaftablettensucht. Und dazwischen immer wieder diese Musik, die vom Erbsenzähler im SOHH-Forum bis hin zu seiner Oma mehr Menschen erreicht und berührt hat als die jedes anderen Rappers zuvor. Eminem war nie zu Hood für Hollywood und nie zu Hollywood für die Hood. Genau genommen, war er sogar nie Hood, nie Hollywood, zumindest nicht im üblichen Wortsinn. Er hat einfach nur seinen Film gefahren – und dabei das größte Drehbuch geschrieben, das dieses Spiel gesehen hat. Will the real Slim Shady please stand up.
Es gab eine Zeit, da trat Eminem auf der JUICE-Jam auf, durfte mit Method Man auf einen Track und galt ganz allgemein als größter gemeinsamer Nenner im Spannungsfeld zwischen Elternerschrecken und Silbenabzählen. Es war 1999, 50 Cent ein namenloser Dealer in Queens (oder auch nicht), und Dr. Dre ein belächelter G-Funk-Veteran, der gerade ein Label namens Aftermath an die Wand gefahren hatte. Heute kann man sich das in etwa so gut vorstellen wie, sagen wir, Michael Jackson bei “Feuer über Deutschland”. Das Elternerschrecken übernehmen längst gangbangende Neuköllner und die »HipHop-Bravo«. Und Silbenabzählen… Ja, wer braucht eigentlich noch Silbenabzählen, wenn man auch eine zu enge Hose und einen Twitter-Account haben kann?
Zwei Konstanten allein scheint es zu geben in der von Kanye und Yousendit gründlichst durchgerüttelten Rapwelt. Erstens: Die erste Single aus einem Eminem-Album ruht auf einem beschnapsten Pianoschunkler aus der Dre-Schule, wozu Em dann den Komiker mit Quäkstimme, lustigen Verkleidungen und kleinen Nickeligkeiten gegen Promis gibt. Zweitens: Alle gehen’s kaufen. Bei seiner mittlerweile fünften Studio-LP »Relapse«, die dieser Tage erscheint, gilt das für die offizielle Auskopplung »We Made You« ebenso wie für die Dre / Fifty-Kollabo »Crack A Bottle«. Letztere hielt man zunächst für reichlich unspektakuläres Blogfutter x thisis50.com, mit gutem Willen maximal noch für einen weiteren unfreiwilligen “Detox”-Leak. In echt aber brach das Stück den damals gültigen Startrekord für Digitalverkäufe mit 418.000 Downloads in der ersten Woche – bezahlte, wohlgemerkt.
Bei nüchterner Betrachtungsweise verwundern diese Zahlen. »We Made You« klingt exakt nach 2001 und »Crack A Bottle« exakt nach »2001«, und überhaupt könnte man sich die unverhoffte Wiederauferstehung der vermutlich größten lebenden HipHop-Ikone durchaus spektakulärer inszeniert vorstellen. Zur Klarstellung: Freunden des visualisierten Rhymebooks sollten beide Songs nach wie vor ein inneres “Paid In Full” sein; die X-fach-Reime, in die Eminem seine harmlosen Späße über Kim Kardashian, Sarah Palin und sich selbst kleidet, sind beeindruckend und auch von jüngeren Kollegen wie dem von ihm verehrten T.I. unerreicht. Seinen täglichen Ohrwurm bekommt man ohnehin gratis dazu. Aber nach historischer Tragweite fühlt sich das alles nicht an.
Eminem – My Name Is von universalmusicdeutschland
Text: Davide Bortot






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