Action Bronson

gepostet in FEATURES, Frontpage, JUICE #139 11/12 2011 | 1 Dezember 2011, 11:14 Uhr | 4 Comments

Während viele auf die Frage nach dem Namen Action Bronson bislang mit einem Schulterzucken reagieren, kommt von echten Blog-Nerds hin und wieder schon eine eindimensionale Assoziation: »Das ist doch der, der wie Ghostface rappt.« Ein Umstand, der sich in absehbarer Zeit ändern dürfte, denn nach seinem überzeugenden Debüt »Dr. Lecter« hat der Mann aus Flushing, Queens, einiges an Material in der Hinterhand, das ihn von der zweifelhaften Reputation als schwergewichtiger Ghostdeini-Abklatsch befreien sollte.

Dabei ist es geradezu beeindruckend, wie schnell der New Yorker mit gerade mal drei Jahren Rap-Erfahrung den US-Underground für sich gewinnen konnte. Zumal bis dahin die große Leidenschaft des sympathischen Bartträgers an anderer Stelle zu verorten war: hinterm Herd. Eine Passion, die dem ausgebildeten Koch in die Wiege gelegt wurde, als Sohn eines Restaurantbesitzers und einer Bäckerin. Nach der Grundschule zog es den Graffiti-begeisterten Bronson hinaus in die Straßen von Queens, wo er Anschluss bei einer in Ralph Lauren gewandeten Gang fand: »Bei den Lo-Lifes geht es um Style, Liebe und Loyalität. Ich war schon immer ein riesiger Polo-Fan. Über Thirstin Howl III lernten wir die Outdoorsmen kennen, den Ableger der Lo-Lifes in Queens, und damit auch Meyhem Lauren und J-Love.«

Sein Debütalbum »Dr. Lecter« entstand eher zufällig, wie Action Bronson offen zugibt: »Ich hatte mir das Bein gebrochen und mir fiel die Decke auf den Kopf, also schnappte ich mir den Produzenten Tommy Mas, den ich aus der Graffiti-Szene kannte, und nahm dieses Album auf.« Trotz dieser unbekümmerten Herangehensweise lag ihm ein kohärentes Soundbild besonders am Herzen, das sich in diesem Falle eindeutig in Richtung der traditionellen New Yorker Schule der Neunziger bewegt. Offensichtlich die richtige Entscheidung, denn das unterhaltsame Machwerk rund um Weed, Weiber und Gaumenfreuden wurde nicht nur von den Kritikern gut angenommen.

Auf YouTube sind zudem einige Folgen seiner sehr unterhaltsamen Kochsendung zu finden. Ein Potenzial, das Action Bronson bald mit einer eigenen MTV-Kochshow weiter ausschöpfen wird. Auch musikalisch hat er schon die nächsten Schritte geplant: Insgesamt drei neue Alben mit den Produzenten Statik Selektah, Party Supplies und Harry Fraud sind aufgenommen, derzeit arbeitet Bronson mit Tommy Mas an »Mr. Wonderful«, dem Nachfolger zu »Dr. Lecter«. Eine Arbeitsmoral, die er sich aus seiner Kochausbildung bewahrt haben dürfte: »Beim Kochen und beim Rappen geht es um die Details. Man kann nicht einfach zufällig Dinge zusammenwerfen und erwarten, dass etwas Gutes dabei herauskommt. Ich habe einen sehr hohen persönlichen Anspruch – in beiden Disziplinen.«

Text: Stefan Zehentmeier

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